Montag, 28. Mai 2007

SENTENZ

Sie sind einem im Falle die hellsten und klarsten Lichter.
Die Affen- und die Kindergesichter.

Freitag, 4. Mai 2007

Sadko im Reich des Meerkönigs. Von Ilja Jefimowitsch Repin. 1876

best

Dienstag, 17. April 2007

Keep it movin'

cure

Montag, 16. April 2007

Falscher Hase unter gepfefferter Weinnase in Brunftphase

Dort, wo Eselsohren auf den Straßen liegen,
sich Bekleidete in Sicherheit wiegen
und nachts beim Knorpelverbiegen nackt bekriegen,

weiß ein Eckensteher, warum die Vögel fliegen.

Heut will einer gehen.
Gehen bis die Zehen wehen.

Mittwoch, 11. April 2007

Meine Quelle

Es gibt da einen zuckerkranken alten Mann,
er lebt ganz allein in einer verkommenen und wunderschönen Villa.
Inmitten eines Obstgartens.

Seine Füße beginnen zu verfaulen, deshalb trägt er dicke Bandagen und starke Schienen, wenn er auf die Straße geht.

Man erzählt sich im Dorf, dass er in schlaflosen Nächten große Schachteln voll von Keksen in sich hineinstopft.
Die Kekse bestellt er bei Quelle-Versand, so werden sie ihm direkt ins Haus geliefert.

Er wäscht sich nicht.
Seine Haut wirkt wie Pergament; als würde sie abbröckeln, wenn man ihn stößt.
Der weiße Bart verdeckt die Mundwinkel.

Samstag, 7. April 2007

Rubrik: "Was haben Sie denn im Schlepptau?"

ronjaFrüher Morgen ist es. Wie der erste Erdenmorgen so schön.
Die Siedler der Bärenhöhle, hier kommen sie durch den Wald gewandert, und ringsum ist alle Herrlichkeit des Frühlings.
In allen Bäumen und allen Wassern und allen grünen Büschen lebt es, es zwitschert und rauscht und summt und singt und plätschert, überall erklingt das frische, wilde Lied des Frühlings.
Und sie kommen zu ihrer Höhle, ihrem Heim in der Wildnis. Dort ist alles wie früher, vertraut und wohlbekannt.
Der Fluß, der da unten rauscht, die Wälder im Morgenlicht, alles ist, wie es war.
Der Frühling ist neu, aber er ist, wie er immer war. "Erschrick nicht, Birk", sagte Ronja. "Jetzt kommt mein Frühlingsschrei!"
Und sie schrie, gellend wie ein Vogel, es war ein Jubelschrei, den man weithin über den Wald hörte.


(Astrid Lindgren: Ronja Räubertochter)

Karsamstag 2007

cheshire

Freitag, 6. April 2007

Rost und Moos

Samstagabend saß er ziemlich lang so da.
Selbstverständlich hätte er lieber geraucht und gegessen und getrunken und dir zugeschaut.
Aber für heute hat er sich vorgenommen - und das schon seit sieben Tagen - ziemlich lange so da zu sitzen und zu warten, bis es dunkel wird.
Im Hinterhof auf einem abgewetterten Plastikklappstuhl neben den Fahrrädern.
Er hätte sich auch für den Spielplatz oder die Bushaltestelle entscheiden können; die waren ihm nach reichlicher Überlegung dann doch mehr zu laut als etwas erträglicher, weil unterhaltender.

Nach einer Stunde versuchte er zusammenzufassen, was ihm sechzig Minuten des Schweigens eingebracht hatten; ja, die Wortwahl, verrät einiges über ihn, der er einer ist, dessen Denken sich - linear - im Kreise dreht, weil er ständig spekuliert und erntet.

Er hatte also, recht am Anfang seiner Sitzung schon, Rost und Moos in der Nase getragen und mit seinen großen Augen die Duftquellen ausgemacht. Im Zuge dessen - wir wissen alle, wie es sich zuträgt - blieb er hier an der Farbe und dort an der Erinnerung hängen und unversehens waren die ersten 34 Minuten verstrichen, als er sich beim Blick auf sein haariges Knie darauf besann, worum es ihm doch eingentlich gegangen war. Er wollte in sich hineinhorchen und endlich loslassen von dem verkrampften Gedanken, doch endlich loszulassen und mit sich ins Reine zu kommen.

Nach zwei Stunden war ihm klar geworden, dass er sich eine Katze in die Wohnung holen will. Er schwankte stark zwischen der Erkenntnis, dass bei ihm alles noch möglich wäre und er doch genau wisse, wohin es ihn zog, und der schrecklichen Ahnung, dass eine alleseinnehmende Sinn- und Kraftlosigkeit ihn sich weiter im Kreise drehen machen würde.
Als er seine Nachbarin so von hinten durch den Hof stöckeln sah, dachte er wieder an dich und warum du nie solche Schuhe getragen hast, und dass er eben das und so vieles andere an dir so gerne sah.

Er lächelte sich an und aus und nach nunmehr drei Stunden drückte ihn die Blase; er stand auf, ging zur Eisenstange neben der Hintertür, machte 35 Klimmzüge und warf beim Gehen einen Blick auf das vierte Fenster von links.
Beim Treppensteigen fasste er sich jacksonmäßig in den Schritt und schrie eine Katze an; sie fauchte buckelig und schoss ins Freie.

Montag, 26. März 2007

...

schmetterling_1_04Heute nacht stand plötzlich eine Raupe vor mir, wiederkaute eine duftende Binse, und stellte mir die Frage:
"Glauben Sie, dass viele Menschen die Fähigkeit besitzen, es wahrzunehmen, wenn sie sich vor sich selbst schämen?"
Ich schielte sie an und suhlte mich später in dem Gefühl, dass jemand sich mehr Gedanken macht als ich.
*******************************************************************
Wenn man irgendwo - noch ganz verschwommen - die Ahnung hat, man wäre sich selbst untreu gewesen, wird man ganz steif
und versucht zu rechtfertigen und zu verstehen,
zu begreifen
und - wo´s nicht weh tut - herum zu schleifen.
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Verzeihen ist heilsam.
Und man fühlt sich frei, wenn man verzeiht,
weil das Ego ganz klein wird und man plötzlich,
oft nur für einen kurzen Augenblick,
ein Teil des Ganzen sein darf.

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